Anlässlich des Geburtstags unseres Grundgesetzes setzen wir am Stadtgymnasium unsere Auseinandersetzung mit den Themen Gleichberechtigung, Vielfalt und gesellschaftliche Verantwortung fort. Bereits rund um den Weltfrauentag haben wir uns mit der Bedeutung von Chancengleichheit und der Rolle v Frauen in unserer Gesellschaft beschäftigt. Der Grundgesetztag bietet nun einen weiteren wichtigen Anlass, um den Blick auf die Werte zu richten, die unser Zusammenleben prägen und schützen.

Besonders Artikel 3 unseres Grundgesetzes erinnert daran, dass Gleichstellung keine Selbstverständlichkeit ist, sondern immer wieder bewusst gelebt und verteidigt werden muss. Auch heute sind gleiche Chancen, freie Lebensentscheidungen und der Zugang zu Bildung weltweit nicht für alle Menschen gegeben.

Unsere Schulleiterin Frau Klimasch blickt in ihrem persönlichen Beitrag auf ihre Erfahrungen als erste Schulleiterin des Stadtgymnasiums, auf gelebte Gleichberechtigung im Schulalltag und auf die Verantwortung, jungen Menschen Mut zu machen, ihren eigenen Weg selbstbewusst zu gehen.

„Als ich vor fünf Jahren mein Amt als Schulleiterin angetreten habe, wurde ich oft gefragt, wie es sich anfühlt, die erste Frau an der Spitze unserer Schule zu sein. Meine Antwort war damals – und sie gilt für mich bis heute: Eigentlich sollte es gar keine Rolle spielen, ob dort eine Frau oder ein Mann sitzt. Entscheidend ist doch etwas anderes: dass ein Mensch Verantwortung übernimmt und die richtigen Entscheidungen für die Schule trifft.     
Ich habe mich immer als jemand verstanden, der auf das Verbindende schaut und nicht auf das, was Menschen voneinander trennt. Genau dieses Denken prägt auch unser Miteinander am Stadtgymnasium. Schule funktioniert nur dann gut, wenn wir uns als Gemeinschaft verstehen – als Schulgemeinschaft bestehend aus Lehrerinnen und Lehrern, Schülerinnen und Schülern und Eltern und Erziehungsberechtigten.
Und wenn ich ganz ehrlich bin: Im Alltag unserer Schule spielt es tatsächlich kaum eine Rolle, ob jemand Mann oder Frau ist, Junge oder Mädchen. Im Kollegium arbeiten aktuell sogar mehr Frauen als Männer, und wir erleben unser Zusammenarbeiten sehr selbstverständlich, respektvoll und auf Augenhöhe. Das macht mich froh – weil es zeigt, dass Gleichberechtigung auch ganz leise und ganz selbstverständlich gelebt werden kann.     
Natürlich schaue ich auch über unsere Schulmauern hinaus. Und da sehe ich Entwicklungen, die mir Sorgen bereiten. Frauen verdienen in vielen Bereichen noch immer weniger als Männer. In vielen Ländern der Welt werden Frauen in ihren Rechten massiv eingeschränkt – und besonders erschreckend ist für mich, dass Mädchen dort häufig keinen freien Zugang zu Bildung haben. Bildung ist der Schlüssel zu Selbstbestimmung. Wenn dieser Schlüssel vor der Hälfte der Menschen in einem Land verborgen bleibt, ist das ein großes Unrecht. 
Gleichzeitig beobachte ich in unserer Gesellschaft auch Tendenzen, die sehr traditionelle Rollenbilder wieder stark in den Mittelpunkt stellen und damit Errungenschaften infrage stellen, für die Frauen über viele Jahrzehnte gekämpft haben. Natürlich soll jeder Mensch seinen eigenen Lebensweg wählen dürfen. Aber wichtig ist mir, dass diese Wahl wirklich frei ist – und nicht durch Erwartungen oder gesellschaftlichen Druck eingeengt wird.      
Wenn ich auf meine ersten fünf Jahre zurückblicke, dann bin ich vor allem dankbar. Dankbar für eine Schule, in der wir gemeinsam daran arbeiten, dass Menschen gesehen werden – nicht zuerst als Mann oder Frau, sondern als Mensch mit Ideen, Talenten und Verantwortung für unsere Gemeinschaft.
Und den Mädchen, die heute unsere Schule besuchen, möchte ich etwas ganz Persönliches mitgeben: Traut euch, eure Stimme zu erheben, Fragen zu stellen, mutig zu sein und euren eigenen Weg zu gehen. Lasst euch von niemandem einreden, dass etwas „nicht für euch gedacht” sei. Eure Ideen, eure Perspektiven und eure Talente werden gebraucht – hier an unserer Schule und weit darüber hinaus.“ (Stefanie Klimasch, 2026)

Als Gleichstellungsbeauftragte schließen wir an die Gedanken unserer Schulleiterin an und möchten zum Grundgesetztag hervorheben, dass die im Grundgesetz verankerte Gleichberechtigung im Schulalltag aktiv gelebt und stetig gestärkt werden muss – im respektvollen Miteinander und in gleichen Chancen für alle.

Text: Tatjana Arngold und Hannah Lange