Liebe Schulgemeinschaft,

kennt ihr das auch? Wenn ihr morgens durch die Flure geht, habt ihr dann manchmal das Gefühl, dass die Wände flüstern? Unser Stadtgymnasium wurde 1543 gegründet. 483 Jahre ist das her. Und eine Frage lässt mich nicht los: Wann klang hier zum ersten Mal die Stimme eines Mädchens? Was haben die ersten Mädchen wohl gefühlt? Stellt es euch vor: Ihr seid das einzige Mädchen in einer Klasse voller Jungen. Ihr betretet den Raum und alle Blicke sind auf euch gerichtet. Spürt ihr Stolz? Aufregung? Oder habt ihr vielleicht ein bisschen Angst? Helga Kurtztisch und Gertrud Schweitzer haben das erlebt. Beide etwa 1920 geboren, besuchten sie in den 1930er Jahren das Stadtgymnasium. Zwei Mädchen zwischen lauter Jungen. Zwei Mädchen, die sich behaupten mussten. Ihre Namen sind in alten Vereinsmitteilungen überliefert – das macht sie zu Pionierinnen. Zu den ersten sichtbaren Frauen in unserer männlichen Schulgeschichte.

Wie war es für die erste Lehrerin?

1941 kam Dr. Margarete Stossberg als Studienrätin an unsere Schule. Sie war eine der ersten Frauen im Kollegium. Wie muss das gewesen sein? Sich in Besprechungen Gehör verschaffen? Von den männlichen Kollegen ernst genommen werden? Vielleicht hat sie manchmal gezweifelt. Aber sie blieb.

Der historische Moment

Im März 2021 geschah etwas, das in 478 Jahren noch nie passiert war: Mit Stefanie Klimasch übernahm die erste Frau die Leitung unserer Schule. 478 Jahre Männer an der Spitze – und jetzt, seit fünf Jahren, eine Frau. 5 Jahre gegen 478 Jahre. Das ist keine Kleinigkeit. Das ist eine Revolution.

Frau Klimasch sagte damals: „Die Geschichte der Frauen, wie das Beispiel unserer Schule zeigt, war in der Vergangenheit eher weniger durch aufstrebende Karrieren geprägt. Frauen haben in der Vergangenheit eben eher den Männern für ihre Karrieren den Rücken freigehalten. Heute stehen den Frauen vielfältige Wege offen!” Ein Blick auf das Kollegium des Stadtgymnasiums verdeutlicht dies. Zurzeit sind mehr als die Hälfte der Beschäftigten Frauen. Das zeigt, wie viel sich verändert hat und zugleich, wie wichtig es weiterhin ist, sich für Gleichbehandlung einzusetzen. Dabei unterstützen wir euch.

Was macht unser Team?

Wir sind für euch da. Bei Fragen zu Personalverfahren, zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, bei Problemen oder wenn ihr einfach mal reden wollt. Wir achten darauf, dass alle fair behandelt werden.

Eine Frage für uns alle

Heute, am Weltfrauentag, möchte ich nicht mit vielen Fragen kommen. Sondern mit einer einzigen, der wichtigsten: Was können wir alle tun, damit sich jede und jeder hier sicher und wertgeschätzt fühlt? Egal ob Junge oder Mädchen, ob Lehrerin oder Mutter, ob schon lange dabei oder neu an unserer Schule. Jeder Mensch möchte gesehen werden. Jeder möchte dazugehören. Jeder möchte so sein dürfen, wie er ist. 5 Jahre gegen 478 Jahre. Die Rechnung geht langsam in unsere Richtung. Aber sie ist noch nicht abgeschlossen. Daran arbeiten wir – gemeinsam mit euch. Mit Offenheit. Mit Mut. Und mit einem Lächeln füreinander.

In diesem Sinne: Einen warmen, verbundenen und hoffnungsvollen Weltfrauentag euch allen. Ihr seid wunderbar – genau so, wie ihr seid.

Euer Team für Gleichstellungsfragen am Stadtgymnasium Dortmund

Tatjana Arngold und Hannah Lange

PS: Kennt ihr Frauengeschichten aus unserer Schule? Die erste Abiturientin? Eine mutige Lehrerin? Erzählt es uns! Wir sammeln diese Geschichten – und freuen uns über jede Begegnung mit euch. Kommt einfach vorbei.

Die ersten Einblicke in ihre Tätigkeit als Schulleiterin gibt uns Frau Klimasch zu ihrem 5-jährigen Jubiläum. „Als ich vor fünf Jahren mein Amt als Schulleiterin angetreten habe, wurde ich oft gefragt, wie es sich anfühlt, die erste Frau an der Spitze unserer Schule zu sein. Meine Antwort war damals …“ – Fortsetzung folgt!