Entwicklungshilfe-AG wendet den Blick auf die Energie im Kongo

November am Stadtgymnasium: Hier wird es gerade – anders als im Kongo – relativ spät hell und – wie im Kongo – recht früh dunkel. Die Jugendlichen der AG „Entwicklungshilfe für die Regenwaldzone“ sitzen jeden zweiten Dienstag im hell erleuchteten, mit Büchern und moderner Technik ausgestatteten Selbstlernzentrum der Schule. Sie recherchieren über die Gesellschaft des Kongo, die Geografie und Politik des Landes. Sie beschäftigen sich mit Entwicklungsarbeit und haben zwei Projekte im Zeichen des Klimaschutzes gewählt: Aufforstung und Solarenergie. Während der „Ganztagsbetrieb“ am Stadtgymnasium durch Betätigung der Lichtschalter aufrechterhalten wird, sind im Kongo die Tageszeiten noch stark vom natürlichen Tagesrhythmus geprägt, wenn auch hier politische und wirtschaftliche Gründe eine Rolle spielen. Denn in entlegenen, dörflichen Regionen des Kongo gibt es keine Stromversorgung für die Menschen. Wenn es pünktlich gegen 18 Uhr dunkel wird, sitzen die Familien dort meist im düster flackernden Licht der Petroleumlampe, deren Betriebskosten und Gasemissionen recht unangenehm hoch für die wirtschaftlichen Verhältnisse und die Gesundheit vieler Kongolesen sind. Die neuen Solarlampen strahlen bis zu 34 Stunden, können in einer halben Stunde montiert werden, halten ca. drei Jahre und senken die Kosten im Vergleich zu bisherigen Lösung.

Über diese Zusammenhänge wollten die Schüler der AG mehr erfahren. Auf Vermittlung des Vereins „Lernen-Helfen-Leben e.V“. in Düsseldorf hatten sie am 23.11.2012 den pensionierten Physiklehrer Herrn Ollenburg aus Plön zu Gast. Herr Ollenburg war mehrfach in Burundi, das östlich an den Kongo grenzt und versorgt dort ehemalige Kindersoldaten, traumatisierte Kriegs- und Aidswaisen, die nachwachsenden Generationen und die ländliche Bevölkerung mit dem Wissen und Können zur Herstellung tragbarer Solarlampen. Unsere Schüler haben den gleichen Kurs bei Herrn Ollenburg erhalten wie diese Jugendlichen und außerdem zwei Kongolesen. Herr Ollenburg hat aus mehreren Kisten zahlreiche Bauteile und Werkzeuge ausgepackt: Solarmodule werden erklärt, die Unterschiede zwischen Reihen- und Parallelschaltung werden einfach und anschaulich einprägsam vermittelt. Die zehn Schüler lernen unter seiner Anleitung selbstständig die moderne Solartechnik praktisch für die Entwicklungshilfe nutzbar zu machen.

Nachdem alle Drähte abisoliert, alle Lüsterklemmen befestigt, alle Akkus eingesetzt und alle Schalter montiert worden sind, ist Herr Ollenburg über die handwerklichen Fähigkeiten unserer Gymnasiasten erstaunt. Sein Fazit: „Ich habe immer praktisch anschaulich unterrichtet! Und die Freude der Schüler am Unterricht hat mir Recht gegeben in dieser Sache.“ Sie können jetzt aus einzelnen Bauteilen ohne Zuhilfenahme elektrischer Werkzeuge wie Bohrer und Lötkolben Solarlampen bauen, die einen Raum deutlich besser als die klassische Kerze oder die Petroleumlampe ausleuchten. So fasst Alicia, Stufe 12, ihre Beobachtungen zusammen: „Solarlampen machen die Familien örtlich ungebunden und fördern die Nutzung der kostenlosen Sonneneinstrahlung für die einzelnen Haushalte vor Ort.“ Und ebenso leuchtend wie das Licht der LED nach der komplexen Montage ließen ihre Augen einen gewissen Stolz über das Ergebnis verkünden. Dies verbindet die Schüler in Dortmund mit den Jugendlichen im Kongo.

Die Lampen sollen am Tag der offenen Tür im Januar zu einem Spendenbeitrag angeboten werden. „Auf diese Weise“, so resümiert Alexander aus der Stufe 12, „verbinden sich für mich die vielfältigen Theorien aus dem sozialwissenschaftlichen Unterricht endlich mit der Praxis.“ Alexander möchte internationale Beziehungen studieren.

Vielleicht haben er und die anderen Schüler an diesem Tag gelernt, wie viel Spaß es machen kann, gemeinsam mit jüngeren und älteren Schülern aus dem lebendigen Erfahrungsschatz eines Senior-Experten heraus wirklich tätig zu werden: Ehrenamtlich, aus freiem Antrieb und mit der großzügigen Unterstützung durch den Förderverein des Stadtgymnasiums! Noch interessanter soll es werden, wenn wir eine Rückmeldung über den erfolgreichen Einsatz der Lampen aus dem Kongo erhalten.

Text: Jan Pfennig
Fotos: Bent Schiemann

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