Das Ghana-Projekt am Stadtgymnasium Dortmund 2020

Der erste Schritt in Richtung “Global Citizenship” ist gemacht. Eine Welt, in der Individuen aus allen Teilen der Erde miteinander lachen, ihre Lebensweisheiten miteinander teilen und voneinander lernen. Dieser Welt sind wir, das Stadtgymnasium Dortmund, mit dem Ghana-Projekt einen großen Schritt nähergekommen. Charles Quartey und sein Boxteam aus Accra, Ghana, haben vom 19.01.-22.01.2020 unsere Schule besucht und uns ihren Sport gezeigt, von ihrem Leben erzählt und unseren Horizont um einiges erweitert. 

Selten habe ich in meiner Schulzeit erlebt, dass eine Botschaft, egal ob akademischer oder emotionaler Natur, so angekommen ist, wie die der Boxer. „Das Leben ist ein Kampf und in diesem Kampf, ist es wichtiger nicht getroffen zu werden, als zu treffen. Und mit einem Team, einer Community, welche einem den Rücken stärkt, ist dieses Ziel sehr viel greifbarer.“

Bereits beim Empfang am Sonntagabend war klar, dass dies keine „normale Schulverwaltung“ werden würde. Die sechs Boxer, ihre beiden Trainer, Ali Cukur (Trainer des TSV 1860 München), Christoph Kowalewski (Koordinator des Projekts) und Antje Drinnenberg (Regisseurin von „Lionhearted“), kamen mit so einer Freude und Herzlichkeit an, dass man direkt persönliche Verbindungen geknüpft und diese Freude und Herzlichkeit, sollten sich im Laufe des Projektes nur noch vergrößern. 

Am Montag fing das Projekt erst richtig an. Unsere Gäste wurden vom Schulleiter, Herrn Koolen, und der Lehrerschaft empfangen und bekamen eine Führung durch das Schulgebäude. Das Highlight des Tages war definitiv das Boxtraining in der Turnhalle. Schülerinnen und Schüler aus allen Jahrgängen und Altersklassen konnten an diesem Training teilnehmen. Es war ein Gefühl der Einigkeit und der Verbundenheit zu spüren. Fehler waren absolut erlaubt und wurde liebevoll korrigiert. Die Schüler blühten im Laufe des Trainings völlig auf. Als der Gong, auf den man sonst so hoffnungsvoll wartet, ertönte, blieben alle Schüler weiterhin da und wollte weiter am Training teilnehmen, was eine absolute Seltenheit ist. Der Tag war für uns Schüler beendet, während unsere Gäste noch eine Stadtführung bekamen und den Signal-Iduna-Park besuchten.

Der Dienstag war der Höhepunkt der Veranstaltung. Morgens fanden Workshops mit dem Thema „Lets learn from each other“, in welchem die täglichen Routinen, Lebensstile, Arbeit und das Familienleben in Dortmund und Accra verglichen wurden. Daraufhin gab es eine weitere Boxing-Session auf dem Schulhof, bei der noch mehr Schüler teilnahmen, als am Tag zuvor. Der zweite Teil des Tages bestand darin, sich den Film „Lionhearted“ von Antje Drinnenberg anzuschauen. Es ist ein Dokumentarfilm, welcher die Reise von des Boxteams von Ali Cukur nach Accra thematisiert. Dort trainieren sie eine Zeit lang mit dem Team von Charles Quartey und bereiten sich nicht nur auf die nächsten Meisterschaften vor, sondern nehmen auch so einiges fürs Leben mit. Die Boxer haben gelernt zu schätzen was sie haben. Sie haben eine Welt kennengelernt, die so anders als ihre eigene ist und nehmen ein unvergessliches Erlebnis mit. Diese Erkenntnisse kann der Zuschauer auch mitnehmen.

Die Veranstaltung endete mit einer Podiumsdiskussion mit Charles Quartey, Antje Drinnenberg, Chris Kowalewski, Ralf Heidenreich und mir selber, Naomi Ikhuoria. Moderiert wurde das Ganze von Emmanuel Peterson, er ist „Eine Welt“-Promotor. Es wurde besprochen, was Boxen bewirken kann, welche Projekte es weiterhin geben wird und wie wir gemeinsam mit dem ghanaischen Team unsere und deren Welt verbessern können.

Leider war nun der letzte Tag der Veranstaltung. Es fand ein letzter Workshop statt. Wir waren in der Lage auf einem „Markt“ Ideen, Inspirationen und Ansätze „einzukaufen“, die wir nun sowohl in Deutschland als auch in Ghana anwenden können.

Zusammenfassend war der Besuch des Boxteams und aller anderen Personen, die an dem Ghana-Projekt beteiligt waren, eine sehr wertvolle Erfahrung. Wir haben daraus gelernt, wie privilegiert wir hier in Deutschland sind und das unsere Taten, unser Konsum tatsächliche Konsequenzen in anderen Teilen der Welt hat. Ich hoffe inständig, dass dies nicht nur einen kurzen Effekt hat, sondern dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene sich nun Gedanken machen, wie und was sie nutzen.

Der Film „Lionhearted“ hat mir persönlich, auch so einiges über das Leben gelehrt und der Slogan „Es ist wichtiger nicht getroffen zu werden, als zu treffen“ von Ali Cukur, wird mir nicht so schnell aus dem Kopf gehen. Wir hoffen sehr, dass es mehr solche Kooperationen mit unserer und anderen Schulen geben wird, um dafür zu sorgen, dass Schule uns nicht nur für akademische Leistungen vorbereitet, sondern uns auch zu guten und verantwortungsvollen Erwachsenen ausbildetet. 

Text: Naomi Ikhuoria
Fotos: Maria Fourniotis und Arzu Erzurum

 

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