Tiantian Qi aus der Qualifikationsphase 2 gehört zu den größten Mathematik-Genies der Schule. Er hat das Stadtgymnasium bei zahlreichen Wettbewerben vertreten und herausragende Leistungen gezeigt. Ihr fragt euch, woher sein Interesse für das Fach kommt, welches bei vielen Schülerinnen und Schülern nicht unbedingt zu den Lieblingsfächern zählt? Ihr wollt wissen, woher seine Motivation kommt und warum Mathe in Deutschland ganz anders als in Tiantians Heimatland China unterrichtet wird? Dann lest hier seine Geschichte:

Sehr geehrte Damen und Herren,

in diesem Text möchte ich über mich und meine Erfahrungen mit dem Fach Mathematik berichten:

Ich heiße Tiantian, bin seit 2018 in Deutschland und besuche nach den Sommerferien die zwölfte Klasse des Stadtgymnasiums. Im letzten Schuljahr habe ich an zahlreichen Wettbewerben teilgenommen und viele von diesen auch gewonnen, dazu gehören der Bundeswettbewerb Mathematik, der Dortmunder Mathematik-Wettbewerb usw. Ich fühle mich auch sehr geehrt, dass ich letztes Jahr für die Auswahlklausur zur Internationalen Mathematik-Olympiade qualifiziert war. Meine Freizeit verbringe ich oft damit, Mathematik zu studieren. Hiermit möchte ich die Gründe, warum ich so motiviert bin und meine Geschichte mit Mathematik vorstellen.

Als ich in der Grundschule in China war, war Mathematik mein absolutes „Hassfach“, weil wir damals mindestens fünf Stunden am Tag Mathematik lernen mussten, jedoch machten wir es nicht freiwillig, wir lernten Mathe nur, um uns auf Prüfungen vorzubereiten. Die Formeln und Kenntnisse, die wir verwenden durften, waren sehr begrenzt. Es stand uns nur zu, die im Unterricht gelernten Formeln anzuwenden, denn wenn wir unsere eigenen Formeln hätten verwende dürfen, wären alle Aufgaben in der Klausur viel zu einfach und dadurch könne der Zweck des „Screenings von Talenten” nicht erreicht werden.

Ich kam damals leider nicht gut voran, weil ich viele unterrichteten Formeln nicht auswendig lernen konnte und viele Beweisverfahren nicht verstanden habe. Sicherlich konnte ich alle Aufgaben in der Prüfung mit meiner eigenen Methode lösen, jedoch wurde ich jedes Mal kritisiert, denn meine damaligen Lehrer mochten nur die Schüler, die Ihnen zuhören und die Aufgabe mit einer bestimmen Methode lösen. Das wird die Schüler zwingen, gute Grundkenntnisse in Mathematik zu haben, es führt jedoch dazu, dass die Schüler kaum eine eigene Sicht auf das Fach Mathematik haben und lediglich Prüfungsaufgaben erledigen. 

Nachdem ich nach Deutschland gekommen bin, hat die Situation sich völlig verändert, Mathematik war das einzige Fach, das sowohl in China als auch in Deutschland unterrichtet wird und mein plötzlicher Wechsel vom Letzten zum Ersten hat mein Interesse an diesem Fach wieder geweckt.

Ich habe angefangen die Schönheit der Mathematik zu sehen. Ich habe zunächst die schulischen Stoffe bis zum Abitur gelernt und versuchte danach, die Aufgaben aus den Wettbewerben zu lösen. Seit der 8.Klasse bin ich auf dem Stadtgymnasium, hier sind die Lehrer sehr freundlich und hilfsbereit, sie haben mich sehr viel unterstützt, ich bin sehr froh, dass ich auf dieser Schule bin, insbesondere möchte ich einer Person danken: Herrn Dr. Schweda. Er ist zwar nicht der Lehrer, der mich am längsten unterrichtet und er ist auch nicht der Lehrer, der mir am meisten beigebracht hat, jedoch ist er der einzige Lehrer, der mich so unterstützt und sich selbst so engagiert hat. Er unterstützt die Liebe jedes Schülers zur Mathematik, er kümmert sich sehr um meine Wettbewerbe obwohl er mich in jener Zeit gar nicht mehr unterrichtete, ich bin sehr berührt.

Schließlich möchte ich noch einmal meiner Schule, dem Stadtgymnasium Dortmund, danken.

Text: Tiantian Qi (Q2)